Schule

SchuleAls das jetzige Heftricher Schulgebäude im Jahre 1838 errichtet wurde, erregte das für die damaligen Verhältnisse großzügig angelegte Bauwerk in der ganzen Umgebung Aufsehen. Von der Einweihung, die am 2. Pfingsttag 1839 von dem Schulinspektor Büsgen vorgenommen wurde, heißt es:
„Viele hundert Personen hatten sich aus der Nachbarschaft zur Mitfeyer des Festes eingefunden, so daß die mit grünenden Birken geschmückte Kirche nicht alle aufnehmen konnte.“

Das alte Schulhaus, längst verschwunden, stand in der Langgasse in unmittelbarer Nähe der Kirche. Der erste urkundlich genannte Lehrer dieser einklassigen Schule war nach dem 30jährigen Krieg der „Schulmeister“ Johann Conrad Sartorius (1649 – 1663). Er unterrichtete allerdings nur im Winter „von Martini bis zum angehenden Frühling“, denn im Sommerhalbjahr waren die Bauernkinder als Arbeitskräfte im elterlichen Betrieb unentbehrlich und auch der Lehrer mußte seine Felder bestellen. Die Schule stand nach dem Willen des jeweiligen Landesherren in der Obhut der Kirche. Sie bestimmte die Lehrstoffe: Im wesentlichen Lesen, Schreiben und Religion, und der Pfarrer kontrollierte die Lehrer und den Schulbesuch der Kinder. Diese Hinweise mögen andeuten, welche Entwicklung nötig war, um von dieser einklassigen, ganz in die Kirche eingebetteten Schule zu unserer heutigen, nach demokratischen Grundregeln geordneten Mittelpunktschule zu kommen.

Überspringen wir nun 2 Jahrhunderte, in denen zwar die pädagogische Entwicklung weitergegangen ist, sich aber organisatorisch und räumlich in Heftrich nichts geändert hat.

1855 wurde die Heftricher Schule zweiklassig. Lehrer Carl Wilhelm Kübeler unterrichtete die 10- bis 14Jährigen („die große Schule“) und Lehrer Johann Ludwig Best die Grundschüler („die kleine Schule“). Erst nach dem 2. Weltkrieg, als die Schülerzahl durch die Aufnahme der Heimatvertriebenen gestiegen war, kam eine dritte Lehrkraft hinzu. Im Oktober 1945 war der Unterricht in Heftrich mit zwei Klassen wieder aufgenommen worden. Es war ein schwerer Anfang. Die Schule hatte gegen Kriegsende als Notunterkunft für Obdachlose, Truppen und Flüchtlinge gedient. Die Klassenräume waren verwahrlost. Einrichtungsgegenstände, Bücher, Lehrmittel verschwunden. Es fehlte an allem. „Wer von den Schülern nicht ein Stück einer zerbrochenen Schiefertafel besaß, schrieb auf Packpapierfetzen mit Resten alter Bleistifte.“ Langsam kehrte wieder Ordnung ein, doch erschwerten Raumnot und Lehrermangel die Arbeit, über ein Jahrzehnt – von 1952 bis 1963 – unterrichteten drei Lehrer Klassen mit 45 bis 50 Kindern. Nur der Bau einer neuen Schule konnte helfen. Im Zuge der Landschulreform, die sich bemühte, die Schüler kleinerer Dorfschulen an zentralen Orten zusammenzuführen, wurde schließlich Heftrich 1963 als Standort einer großen Mittelpunktschule für alle Schüler der Orte Bermbach, Esch, Heftrich, Kröftel und Nieder- und Oberrod vorgesehen. Mit der Einführung der Förderstufe (5. und 6. Schuljahr) in Idstein kam es nur noch zur Gründung der Mittelpunktschule. 1966 wurden die Grundschüler von Kröftel und Nieder- und Oberrod, 1970 die von Bermbach und Esch nach Heftrich eingeschult. Die nun doppelzügige, acht-, zeitweise sogar zehnklassige Grundschule erwies sich als pädagogischer Gewinn, mußte aber mit einer Jahrelangen, fast unzumutbaren räumlichen Beschränkung bezahlt werden. Die Hoffnung auf einen Schulneubau erfüllte sich nicht. Man schuf durch die Errichtung von zwei Pavillons und Umbauten im alten Schulgebäude provisorische Räume. Erst der Bau eines dritten Pavillons im Jahre 1976 und der Rückgang der Schülerzahlen von 293 im Jahre 1974 auf 190 im Jahre 1983 minderten die Raumnot und brachten pädagogisch vertretbare Arbeitsbedingungen. Dennoch blieben die räumlichen Schulverhältnisse lange ein Provisorium, bis endlich der Schulneubau im Jahre 1989 realisiert und in die Tat umgesetzt wurde.

Heftrich ist ein Stadtteil von Idstein (15742 Einwohner). Nach Wörsdorf ist Heftrich mit 1445 Einwohnern (Stand: Juni 2017) der zweitgrößte der elf Idsteiner Stadtteile.